Das grenzenlose Büro? Über die Macht der vier Wände…

Das Thema Büro- und Arbeitswelt ist endlich in der Tagespresse angekommen. Das verdeutlicht alleine schon die Themenreihe “Zukunft der Arbeit” unter der Rubrik “Karriere” der Süddeutschen Zeitung oder auch “Arbeitswelten” unter der Rubrik “Beruf & Chance” in der FAZ.net. Der Artikel “Das grenzenlose Büro” von Martin Dommer in Letzterer am 25. Mai 2011 verdeutlicht die Bemühungen das Leben der knapp 18 Millionen Büroangestellten begreifbar zu machen und die veränderten Anforderungen an Büro und Raum zu beschreiben.

Dass Nutzer im klassischen Großraumbüro im Vergleich zum Einzelzimmer häufiger über Störungen klagen, ist in vielen Studien und Artikeln beschrieben worden (vgl. Begegnungsqualitäten in Bürogebäuden und Zwischen Kommunikation und Konzentration). Der geschätzte Kollege Riklef Rambow, Architekturpsychologe und Geschäftsführer von psy:plan aus Berlin, bringt es auf den Punkt: „Das klassische Großraumbüro, in dem man mit sehr vielen Leuten Sicht- und Hörkontakt hat, geht eigentlich immer mit einem Abnehmen des Wohlbefindens der Mitarbeiter einher“. Lösungsansätze können jedoch moderne Bürokonzepte liefern. Sie bringen die gewollte Kommunikation und Interaktion in sinnvolle Balance mit den notwendigen Rückzugsmöglichkeiten im Büro. Entsprechend wichtig sind bewusst gestaltete Wegepunkte und Anlaufstellen, an denen Nutzer aufeinandertreffen und sich informell austauschen können: Druckerinsel, Lounge, Espressobar, Kicker und Co erfüllen diesen Dienst.

Die kreative Pause sollte vom Management nicht nur verbal vorgegeben, sondern auch vorgelebt werden. Die Lounge vor dem Büro der Führungskraft wird verwaisen, wenn der Chef die Mitarbeiter kontrolliert oder schief anschaut, die sich hier niedergelassen haben. Dabei sind Erholung und Entspannung wichtig, um Konzentrationsphasen zu verlängern. Schließlich wusste schon John Steinbeck zur Zeit der klassichen Großraumbüros, dass „die Kunst des Ausruhens ein Teil der Kunst des Arbeitens“ ist. Ein gutes Beispielprojekt mit offenen Espressobars und einer anspruchsvollen Kantine findet sich unter TNS Infratest erfindet sich durch Konsolidierung neu.

Noch immer arbeiten etwa ein Drittel der Angestellten in Einzelzimmern und viele Angestellte verteidigen dieses mit Argumenten, die sich auf Lärm, Klima und konzentriertes Arbeiten beziehen. Allerdings bleibt fraglich, ob die räumliche Isolation und die damit einhergehenden Nachteile in der Zusammenarbeit mit Kollegen die Vorteile aufwiegen. Arbeitgeber haben erkannt, dass die Produktzyklen immer kürzer und Entwicklungen immer schneller werden, Mitarbeiter in Teams am Produkterfolg arbeiten müssen und niemand mehr alleine alles Know-how in sich zur Lösung der Problemstellungen kennt. Zusammenarbeit ist Pflicht und Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg. Das Büro kann das unterstützen, es muss nur gut gemacht sein!

 

 

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