Studie – Begegnungsqualität in Bürogebäuden

Aufgrund der häufigen Nachfragen möchte ich die Gelegenheit in diesem Blog nutzen und meine Dissertation noch einmal vorzustellen. Die empirische Studie unter dem Titel “Begegnungsqualität in Bürogebäuden” ist in den Jahren 2004-2007 entstanden und als Buch (noch unter meinem Geburtsnamen Muschiol) veröffentlicht worden.

Das Ziel der Untersuchung war, die Zusammenhänge zwischen harten und weichen Faktoren in der Bürogestaltung zu analysieren und den Einfluss der Arbeitsumgebung auf die Leistung der Nutzer zu bewerten. Dazu sind 16 ausgewählte Bürogebäude anhand festgelegter Kriterien untersucht worden, welche von über 1.000 Nutzern bewertet wurden. Die Zusammenführung beider Betrachtungen konnte interessante Aufschlüsse über organisatorische Erfolgsfaktoren (z.B. Kommunikation, Zufriedenheit und Produktivität) geben, die sich als praktischen Ansatz einer zukunftsweisenden Büroraumgestaltung verwenden lassen.

 

Quelle: Roman Muschiol im  Shaker-Verlag

Nach der empirischen Auswertung der Ergebnisse kann bestätigt werden, dass die Begegnungsqualität v einer Büroimmobilie abhängig von der jeweiligen Nutzungsstrategie ist. Während Gruppen- und Großraumlösungen ebenso wie Zellenbüros von den Nutzern unterdurchschnittlich bewertet werden, schneiden Kombibüros und der Business-Club überdurchschnittlich ab.

Es konnte aufgezeigt werden, dass sich die Begegnungsqualität direkt auf die unternehmerischen Erfolgsfaktoren auswirkt. Demnach hat die Begegnungsqualität den stärksten Effekt auf das Wohlbefinden und die Arbeitseffektivität. Um die Abhängigkeiten graphisch darlegen zu können, ist ein Index Begegnungsqualität und ein Index Arbeitsleistung gebildet worden. Durch die Gegenüberstellung in einem Kugeldiagramm konnte gezeigt werden, dass ein lineares Verhältnis zwischen den beiden Indices besteht: je höher die Begegnungsqualität bewertet wird, desto höher die Arbeitsleistung der Nutzer. Herunter gebrochen auf die einzelnen Objekte konnte eine aufsteigende Tendenz im Mittel festgestellt werden: Gruppen- und Großraumbüro, Zellenbüros, Kombibüros und Business-Club.


Quelle: eigene Darstellung

Die Gestaltung der Arbeitsumgebung hat nachweisbar einen signifikant positiven Effekt auf das Wohlbefinden und die Arbeitsleistung der Mitarbeiter. Den stärksten Einfluss auf das Wohlbefinden haben die Atmosphäre, das Flächenangebot und die Orientierung im Haus. Erst danach rangieren Transparenz, Farb- und Lichtgestaltung sowie Materialqualität. Um die Kausalitätenkette zu schließen, ist nachgewiesen worden, dass das Wohlbefinden den stärksten Einfluss auf die Arbeitseffektivität hat.

In der Studie sind allerdings KEINE Hinweise gefunden worden, dass der Anteil der Begegnungs- und Kommunikationsflächen pro Arbeitsplatz an der Gesamtfläche einem signifikanten Zusammenhang zum Arbeitsverhalten und damit zur Arbeitsleistung unterliegt. Ebenso wenig ließ sich eine ideale Belegungsdichte nachweisen, an der die Leistung der Nutzer ein Optimum darstellt. Allerdings konnte aufgezeigt werden, dass im Business-Club durchschnittlich etwa 50 Prozent weniger Arbeitsplatzfläche benötigt wird als z.B. im Zellenbüro, um eine bestimmte Arbeitsleistung zu erreichen.

Mit den dargestellten Ergebnissen konnte sich die Forschungsarbeit den internationalen Bemühungen anschließen, die »weichen« Faktoren der Büroplanung mess- und planbar zu machen.

Die Dissertation ist als Buch beim Shaker-Verlag unter ISBN 978-3-8322-6524-3 erschienen.

 

 

 

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